Historische Entwicklung des Karate

Kalligraphie Funakoshi

Karate –Do

Nach Alten forschen heißt,
d
as Neue zu verstehen,

Dies ist eine Sache der Zeit.

Bewahre in allem klares Denken.

Der Weg :

Wer vermag ihn geradlinig und treuweiterzuführen?

(Gedicht und Kalligraphie von Gichin Funakoshi)

 

Historische Entwicklung des Karate vom Ursprung der Selbstverteidigung zur Kampfkunst „Karate-Do“ und zum Sportkarate

Karate als Kampfkunst ist nicht, wie gern von Japanern aus Unwissenheit oder vorsätzlich behauptet in Japan entstanden, sondern im Archipel der Ryukyu-Inseln auf und um Okinawa.

Die Ursprünge des Karate gehen auf die chinesischen Einflüsse des Shaolin-Kungfu (Zenbuddhismus, Wai Chia/harte Kampfkünste), und der Nei Chia (inneren Kampfkünste, Tai Chi Chuan, Hsing I, Pakua, Qi Gong…; Daoismus, Konzufzianismus) zurück, die sich im 14. Jhdt. unter Einfluß einheimischer Kriegstänze (Odori) zu der Kampfkunst „Tode“ entwickelte. Durch fortgesetzten Einfluß durch chinesische Gesandte am Königshof entwickelte sich bis zum 16. Jhdt. das Okinawa-Te, die uns bekannte und noch heute in vielfältigen Stilen praktizierte Kampfkunst, die in Japan als Karate bezeichnet wird.

Während das Tode als reine Selbstverteidigung nur bloße Überlebenstechnik war, entwickelte sich das Okinawa-Te unter den chinesischen Einflüssen (Zen, Daoismus) zur Kampfkunst. Durch die Besetzung Okinawas durch den Satsuma „Samurai“ Clan im Jahre 1609 begann die Jahrhunderte andauernde blutige Unterdrückung der Bevölkerung, der jegliches Waffentragen bei Todesstrafe verboten wurde. Nur durch die weitere Perfektionierung des Okinawa-Tes (darwinistische Selektion der Techniken!) war es der Bevölkerung möglich, als Guerilla den Samurai zu trotzen und mit bloßen Fäusten die Schwertkämpfer zu töten.

Nachdem unter dem Einfluß der Meiji Restauration (1868) die Unterdrückung endete, wurden allmählich die Beziehungen zwischen Okinawa und Japan besser. Im Rahmen von Erziehungsprogrammen wurde Karate 1909 an Grundschulen im Unterricht eingeführt. Zu diesem Zweck wurde eine heilgymnastische, unkriegerische Variante des Karate von Itosu geschaffen (Pinan = Heian Katas). Erst 1921 brachte Gichin Funakoshi als erster Okinawaner das geheimnisumwitterte Karate nach Japan.

Diese Form des Karate glich aber dem okinawanischen Schulkarate, das den Zweck der Gesundheits- und Persönlichkeitserziehung verfolgte, daher waren wirklich gefährliche Techniken entfernt oder verschlüsselt worden. Die japanische Jugend griff aber die von dem amerikanischen Hochschulsport verherrlichten Wettkampfideale auf. Bald gab es Bestrebungen Schutzausrüstungen für den Kumite-Wettkampf zu entwickeln (Bogû-Kumite, Mabuni, Taira, Kendo-Schutzausrüstung, Schlägereien mit Yakuza). Mehrere Universitäten praktizierten dieses Bogû-Kumite bis zum Krieg. Unter dem national-faschistischen Einfluß des Militärregimes wurden wirkungsvolle SV-Techniken gefordert, und der Sohn Funakoshis, Yoshitaka, ging dazu über, die geheimgehaltenen effektiven Kampftechniken zu unterrichten. Er bildete Kamikaze-Piloten und Spione im Nahkampf aus (Nakano-Schule). Schwerste, auch tödliche Verletzungen wurden in diesem Training in Kauf genommen.

Nach dem Tode Yoshitakas wurde das Training von Schülern Gichin Funakoshis (Egami, Hironishi) geleitet, die getreu den Richtlinien des Altmeisters den Wettkampf unterließen. Jüngere, technisch unerfahrene Schüler wollten aber unbedingt das Karate als Sport-Wettkampf-System entwickeln (Nakayama, Nishiyama) und gründeten dazu die Japan Karate Association (JKA 1949). Anfänglich wegen ihres technisch schwachen Niveaus belächelt (Video Senior Karate!), schafften sie es auf Basis eines profimäßig organisierten Instruktorentrainings (Nishiyama) eine Sportelite von Ausbildern heranzuziehen. Meisterschaften wurden regelmäßig in Kata und Kumite durchgeführt (1957, 1. Allg. Japan. Meisterschaft).

Durch Aussenden der Instruktoren in alle Welt (Kanazawa,.Enoeda,…) wurde Karate überall verbreitet. Diese Form des Sportkarate wird heute meistens als sogen. „Traditionelles Karate“ bezeichnet. Der entsprechende japanisch dominierte Europäische bzw. Weltverband EAKF und IAKF (+ ITKF/Nishiyama) wurde durch die Anerkennung von EKU und WUKO vom IOC zur Randerscheinung mit Trad. Karate-Wettkampfsport. Die EKU/WUKO-Verbände (neu EKF, WKF) basierten auf den europäisch dominierten (England, Frankreich, Spanien, Italien) Wettkampfsystem, das das Kumite in dynamischer Form mit Faustschützern auf Basis von Leichtkontakt bzw. amerikanische Kickbox-Einflüsse betrieb. Im Laufe der Jahre verschmolzen die Systeme zu dem uns heute bekannten Wettkampfsystem.

Während in der Zeit des „traditionellen Karate“ noch Teilnahme in beiden Disziplinen Kata/Kumite üblich war, ist heute eine sehr starke Spezialisierung eingetreten, die eine Doppelteilnahme der Top-Athleten bis auf wenige Ausnahmen nicht mehr sinnvoll erscheinen läßt.

Ziel des „klassischen Karate-Do“

Funakoshi schreibt: „Oberstes Ziel in der Kunst des Karate ist weder Sieg noch Niederlage, sondern die Vervollkommnung der Charakter der Kämpfer.“
Die Vervollkommnung der Form – z.B. der Technik – ist lediglich das Mittel, um sich in den allgem. Tugenden zu üben, z.B. Ausdauer, Anstrengungsbereitschaft, Achtung vor den anderen, Friedfertigkeit in Stärke,….(Lind, 97).

„Im Karate gibt es keinen ersten Angriff“ Funakoshi

„Stärke macht souverän. Souveränität ist die Grundlage für gewaltfreie Lösungen.“
Mit diesen Zitaten ist hinreichend das Ziel des „klass. Karate-Do“ als Weg-Lehre zur Charaktervervollkommnung unter Zuhilfenahme der Form als Mittel gekennzeichnet.